In meinem letzten Artikel hatte ich mein damaliges Setup vorgestellt. Ich habe danach sehr viel ausprobiert und bin mittlerweile mit meinem Setup sehr zufrieden – und habe von Kunden öfter positives Feedback dazu bekommen.
Es gibt auch mehrere Berichte über die angebliche Müdigkeit, welche durch Videokonferenzen hervorgerufen werden soll. Dieses Phänomen kann ich nicht nachvollziehen – vielleicht hat das mit der Beleuchtung zu tun, die ich benutze.
Gehen wir mal jeden einzelnen Punkt durch:
Audio
Technisch gibt es prinzipiell zwei Arten von Mikrofonen: dynamische Mikrofone und Kondensatormikrofone. Ich habe beide im Einsatz gehabt und kann belegen, dass beide ihre Stärken haben, die zugleich Schwächen sein können.
Kondensatormikrofon
Kondensatormikrofone sind äußerst empfindlich: ich arbeite im Dachgeschoss und zwei Stockwerke unter mir spielen meistens die Kinder. Ich würde behaupten, das Haus ist recht gut isoliert und ich höre, während ich arbeite, meine Kinder nicht. Wenn ich allerdings das Mikrofon bei Videokonferenzen benutze und mein Headset an den Headset-Anschluss des Mikrofons anschließe, höre ich, wie die Kinder spielen, was mich sehr überrascht hat. Es ist zusätzlich so, dass jeder Tastenschlag vom Mikrofon aufgenommen wird, was für andere Leute während der Konferenz irritierend ist. Die Stimme klingt mit diesem Mikrofon besser als mit dynamischen Mikrofonen. Deshalb verwenden die meisten YouTuber solche Mikrofone. Auch Musiker wissen diese zu schätzen.
Der Einsatz ist jedoch ein anderer als bei den Videokonferenzen.
Dynamische Mikrofone
Dynamische Mikrofone kommen in der Regel häufiger vor. Diese sind günstiger und meistens auch kleiner. Sie nehmen eher nur den Ton auf, der direkt vor ihnen entsteht. Dies ist natürlich für Musiker / Orchester weniger geeignet – für ein Setup, bei dem gleichzeitig geredet, getippt usw. wird, meiner Meinung nach aber besser.
Somit sollte so eine Art von Mikrofon in Videokonferenzen benutzt werden.
Solche Mikrofone stecken in den marktüblichen Headsets.
Somit wären wir auch beim nächsten Punkt:
Headset ja oder nein?
Hier sehe ich bei mir eher das Optimierungspotenzial: denn nach einem Arbeitstag mit vielen Videokonferenzen spüre ich den längeren Einsatz von Headsets schon.
Um Echos zu vermeiden, sind Kopfhörer meiner Meinung nach Pflicht. Evtl. gibt es aber hier bessere Möglichkeiten mit In-Ear-Kopfhörern und Ansteckmikrofonen. Hat jemand damit Erfahrungen gemacht?
Video
In den letzten Jahren habe ich mehreres ausprobiert und mir auch auf YouTube sehr viele Videos dazu angeschaut. Es gibt sehr viele sehr gute Videos von YouTubern, die viele Empfehlungen geben, auch zum Thema Deko.
Grundsätzlich würde ich das Thema aber in zwei große Punkte unterteilen:
- Videoaufnahme
- Beleuchtung
Videoaufnahme
Mit den Webcams in Notebooks (egal welcher Hersteller) bin ich grundsätzlich unzufrieden. Vermutlich wird die Entwicklung in den kommenden Jahren auch nicht allzu viele Fortschritte machen können, denn der Platz ist sehr begrenzt und anders als bei anderen elektronischen Komponenten lässt sich hier im Bereich der Optik nicht so viel optimieren. Es gibt Ansätze, das Bild per KI zu verbessern – mal sehen, was sich da tut.
Auch teurere Webcams (im Consumer-Bereich) haben mich enttäuscht. Ich denke, an dieser Stelle hat es nicht mit dem Sensor, der das Bild in digitale Signale umwandelt, zu tun, sondern mit der Optik davor. Eine Webcam ist ja schließlich eine Kamera und hat ein Objektiv. Jeder Hobbyfotograf weiß, dass es bei Objektiven auf die Lichtstärke ankommt. Die meisten Webcams haben kein lichtstarkes Objektiv.
Somit habe ich mich weiter umgeschaut und mich letztendlich entschlossen, dass ich am besten eine „normale“ Kamera für die Bildaufnahme verwenden sollte. DSLR-Kameras haben den Vorteil, dass man bei diesen die Objektive austauschen kann. Im Internet kursiert jedoch das Gerücht, dass bei Videoaufnahmen der Sensor zu warm wird, da er nicht für den Dauereinsatz ausgelegt ist, und so die Lebensdauer der Kamera verringert.
Also habe ich bei meiner Verwandtschaft nach Videokameras gefragt und mir eine Panasonic-HD-Kamera ausgeliehen. Diese ist auch neu unter 150 € zu haben, was meiner Meinung nach nicht so viel ist.
Aber wie kriegt man das Signal in den Rechner?
Man braucht dafür etwas, das HDMI auf USB „übersetzt“. Ich habe mich für folgende Capture-Karte von Elgato entschieden:
Diese Capture-Karte nimmt bis 4K auf – deutlich mehr, als meine Kamera ermöglicht. Die meiste Software für Videokonferenzen unterstützt dies ja auch nicht.
Kameraposition
Bis jetzt habe ich die beste Erfahrung damit gemacht, die Kamera auf Augenhöhe zu positionieren. Ich nutze zwei Bildschirme, also habe ich die Kamera mit einem Ständer dazwischen montiert:
Damit ist das Thema Video-Hardware erst einmal abgehakt ✅
Die beste Hardware kann kein schlechtes Eingangsbild verbessern. Also sollte man der Beleuchtung auch etwas Zeit widmen:
Beleuchtung
Ich habe mehrere unterschiedliche Lichtquellen verwendet: normales Zimmerlicht, Außenbeleuchtung, LED-Panels, Softbox etc.
Grundsätzlich finde ich, man sollte weiches Licht verwenden. Zusätzlich ist es auch wichtig, dass tendenziell das Licht nicht direkt in die Kamera gerichtet ist, da die Kamera sonst die Belichtung des ganzen Bildes reduziert, was dazu führt, dass alles außer dem Licht selbst dunkel ist.
Deswegen habe ich mich dazu entschieden, unser Arbeitszimmer so umzustellen, dass ich schräg vor dem Fenster sitze. Damit habe ich bis jetzt sehr gute Ergebnisse erreicht.
Weitere Überlegungen: OBS, Green Screen und Teleprompter?
Die meisten Internet-Streamer benutzen OBS, um z. B. Präsentationen, eingebettete Videos etc. in ihre Streams einzubinden. Die Möglichkeiten dieser Software sind sehr vielfältig: es gibt sogar Stores, die sich auf Übergänge und fertige Szenen spezialisiert haben. Es lohnt sich, sich mit der Software zu beschäftigen, um zu sehen, was möglich ist. Ich denke, es ist aber für den normalen Anwender mit einer längeren Lernkurve verbunden.
Aktuell überlege ich, einen Teleprompter auszuprobieren. Diese sind teilweise günstig zu haben und haben den Effekt, dass man ja direkt in die Kamera reinschaut und dennoch mitkriegt, was sonst im Meeting los ist. Das führt aber natürlich bei den Teilnehmern zum Effekt, sich eher angesprochen zu fühlen, da man wahrgenommen wird, als würde man direkt mit den Teilnehmern reden. Dies ist bei normalen Konferenzen schwieriger, da man entweder auf die Teilnehmer im Meeting achtet oder direkt in die Kamera reinschaut, was unnatürlich wirkt.
Abschließender Kommentar
Klar wird jedenfalls: Mit einem mobilen Setup ist ein sehr gutes Ergebnis schwerer zu erreichen. Wenn man aber einen festen Arbeitsplatz hat, ist es sinnvoll, sich zu überlegen, was man verbessern kann.
Das Feedback, das ich bisher bekommen habe, ist sehr gut.
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